4 Schritte zur EUDI-Wallet-Anbindung für Banken & Finanzdienstleister

27.11.2025 - Lesezeit ca. 4 Minuten

Ab Ende 2027 sind Unternehmen aus dem Finanzsektor verpflichtet, EUDI-Wallets zu akzeptieren und in Ihre Prozesse einzubinden. Für Banken bedeutet das weit mehr als nur ein zusätzliches technisches Feature. Mit der EUDI-Wallet entsteht ein europaweiter Standard für digitale Identität – und damit ein völlig neues Fundament für KYC, digitale Signaturen und die gesamte Customer Journey im Banking.

Die Darstellung der Tragweite, die die EUDI-Wallet für den Finanzsektor hat, finden Sie in unserem Blogartikel „Die Bedeutung der EUDI-Wallet für den Finanzbereich„. In diesem Beitrag gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die entscheidende Anschlussfrage: Wie bereiten sich Banken konkret auf die Wallet-Anbindung vor – strategisch, technisch und regulatorisch?

Die EUDI-Wallet verändert Bankprozesse grundlegend 

Mit der EUDI-Wallet wird eine EU-weit verfügbare Lösung für digitale Identifizierung und Authentifizierung etabliert. Für Banken bedeutet das: Viele Abläufe, die heute aus Einzellösungen, manueller Prüfung und komplexen KYC-Anforderungen bestehen, können zukünftig digital und automatisiert abgebildet werden. 

Dabei entstehen Veränderungen auf drei Ebenen: 

  1. Regulatorisch

Durch eIDAS 2.0 wird die Akzeptanz aller zertifizierten EUDI-Wallets verpflichtend. Banken müssen künftig: 

  • Identifizierung (bspw. im Onboarding) mit EUDI-Wallets anbieten
  • Starke Kundenauthentifizierung (SKA) für Zahlungen und andere risikobehaftete Transaktionen mit der EUDI-Wallet ermöglichen 
  • Sich für die Abfrage von Daten aus der Wallet als vertrauende Partei registrieren 

Die Wallet wird damit zu einem zentralen Compliance-Baustein, der die geldwäscherechtlichen Anforderungen an digitale Kundenidentifizierung erfüllt. Über die regulatorische Verpflichtung bieten verifizierbare Nachweise und Qualifizierte Elektronische Signaturen (QES) aus der Wallet weiteres Potenzial für Prozessdigitalisierung und -automatisierung.

  1. Technisch

Die Integration ist kein „Plug-and-Play“. Sie basiert auf neuen Standards wie OpenID4VC und Verifiable Credentials. Das betrifft unter anderem: 

  • Schnittstellen zu verschiedenen Systemen (insbesondere für Onboarding-Prozesse und Authentifizierungs-Services) mit neuen Datenformaten und –modellen  
  • Anpassungen im Frontend, zum Beispiel um die Digital Credentials API zu unterstützen und Nachweise sicher out-of-band“ (OOB) abfragen zu können 
  • kontinuierliche Wartung und Anpassungen bei Änderungen an (nationalen) Wallet-Spezifikationen und Credential-Formaten 

Viele Banken müssen ihre bestehenden Systeme erweitern oder modernisieren. Dies bietet aber auch Potenzial für bspw. UX-Optimierungen. 

  1. Organisatorisch

Die Wallet muss intern in bestehende Prozesse eingebunden werden. Dabei sind insbesondere folgende Punkte zu klären: 

  • Welche Abteilungen müssen eingebunden werden? Die Anbindung der EUDI-Wallet erfordert die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit. Insbesondere die Compliance- und die IT-Abteilungen werden involviert sein, aber auch verschiedenste Fachbereiche, verantwortlich für die jeweiligen Anwendungsfälle. 
  • Wie kann die Kundenakzeptanz und Nutzung gefördert werden? Damit die Effizienzgewinne durch digitale Nachweise aus der Wallet die Integrationskosten amortisieren und echte Kosteneinsparungen möglich sind, müssen Banken Strategien zur Förderung der breiten Akzeptanz der Nutzer*Innen entwickeln.
  • Wie ändert sich der Risiko- und Compliance-Prozess? Durch die Nutzung verifizierter Wallet-Daten können Prüfprozesse sicherer und effizienter gestaltet werden. Gleichzeitig können durch die datenschützende Architektur der Wallet andere Faktoren zur Risikobewertung nicht zur Verfügung stehen. Dies kann die Anpassung interner Risiko- und Betrugserkennungsmodelle erfordern. 

Diese Veränderungen greifen ineinander und sollten frühzeitig geplant werden. 

Die Wallet-Pflicht ab 2027: Warum Vorbereitung jetzt entscheidend ist 

Die gesetzliche Pflicht, Wallets zu akzeptieren, tritt Ende 2027 in Kraft. Das klingt nach ausreichend Zeit – doch die Integration ist komplexer, als viele annehmen. Anpassungen in Systemen und Prozessen müssen frühzeitig angestoßen werden. 

Banken müssen: 

  • regulatorische Vorgaben prüfen & umsetzen 
  • Datenmodelle prüfen 
  • Identifizierungs- und Authentifizierungsprozesse überarbeiten 
  • technische Schnittstellen erweitern 
  • neue Signaturmechanismen integrieren 

Typische Fragen, die Banken uns aktuell stellen 

Viele Gespräche zeigen: Quer durch alle Organisationsgrößen beschäftigen Banken ähnliche Themen. Häufige Fragen sind: 

  • Müssen bei der Identifizierung mit der EUDI-Wallet weitere zusätzliche Nachweise erhoben werden? 
  • Wie kann die User Experience bei der Wallet-Nutzung konsistent und einfach gestaltet werden?
  • Welche weiteren Nachweise werden in der Wallet verfügbar sein? 
  • Welche Leistungen können Integrationspartner abdecken?  
  • Inwiefern wirkt sich die EUDI-Wallet auf die internen Prozesskosten aus? 

Vier Schritte, mit denen Banken sinnvoll starten können 

Bevor technische Umsetzung beginnt, braucht es Klarheit über Anforderungen und Prioritäten. Je nach Unternehmen können dies die ersten Schritte sein: 

  1. Regulatorische Einordnung

Banken analysieren die Anforderungen aus eIDAS 2.0 und prüfen, wie sich beispielsweise KYC-Prozesse dadurch verändern. 

  1. Technische Analyse

Es wird ermittelt, welche Systeme Wallet-Daten verarbeiten müssen und welche Schnittstellen dafür notwendig sind. 

  1. Auswahl erster Use Cases

Pilotprojekte schaffen Erfahrungswerte, zum Beispiel: 

  • digitale Kontoeröffnung (Onboarding) 
  • Transaktionsfreigabe (SKA) 
  • Digitale Vertragsunterzeichnung
  • Proof of Concept: die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) stellt hierfür eine offizielle Testumgebung zur Verfügung (Sandbox)
  1. Auswahl eines Integrationspartners

Eine Wallet-Plattform wie die von AUTHADA unterstützt Banken und Finanzdienstleister, ohne interne Systeme grundlegend anpassen zu müssen – sicher und eIDAS-konform. 

Warum eine Wallet-Plattform den Weg erleichtert 

Die Wallet-Anbindung betrifft viele technische und regulatorische Aspekte gleichzeitig. Eine spezialisierte Plattform vereinfacht diesen Prozess, indem sie beispielsweise: 

  • kundendefinierte APIs für Wallet-Daten bereitstellt 
  • den Empfang von verifizierte Identitätsdaten (PID) und Attribute ((Q)EAAs) von Kundinnen und Kunden direkt aus der EUDI-Wallet ermöglicht (Presentation Service) 
  • das Ausstellen von Daten für Kundinnen und Kunden in Form von (Q)EAAs  ermöglicht (Issuing Service) 
  • mit einer sicheren, anpassbaren Architektur die Datenverarbeitung eIDAS- und DSGVO-konform abbildet

Das Whitepaper erläutert diese Aspekte im Detail – hier nur in kompakter Form. 

Fazit: Die Wallet-Pflicht kommt – jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu starten 

Die Wallet bringt enorme Chancen für Banken und Finanzdienstleister, im Onboarding, Payment und bei digitalen Vertragsabschlüssen. Durch ihren Einsatz können Risiken minimiert, die UX verbessert und Kosten gesenkt werden. Wer jetzt handelt, schafft die Grundlage für ein neues digitales Kundenerlebnis und gestaltet aktiv die Zukunft des Finanzsektors. 

Sie wollen Teil des Wallet-Ökosystems werden oder selbst eine Wallet anbieten oder Wallets akzeptieren? Wir unterstützen Sie gerne mit unserem Know-how und unserer Technologie und Best Practices! Mehr Informationen zu unserer Wallet Plattform erhalten Sie hier.

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