In Zeiten des Social bzw. Physical Distancing wächst der Bedarf an Lösungen, die eine Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben auf digitalem Weg ermöglichen. Was einst fast nur analog möglich war, muss jetzt auch digital funktionieren.

von Ralf Keuper

Kinder und Studenten, die nicht mehr in Schulen und Universitäten gehen können, Kranke, die nicht persönlich beim Arzt erscheinen und Fahrzeughalter, die ihren PKW ohne Gang zur örtlichen Zulassungsstelle anmelden wollen, bekommen die Folgen der Corona-Pandemie besonders stark zu spüren. Um nicht in eine Art Isolation zu geraten, muss die Möglichkeit bestehen, sich auf digitalem Weg den Zugang zu den verschiedenen Services zu verschaffen.

Hierbei übernehmen digitale Identifizierungsverfahren eine Schlüsselrolle: Online ID verification is seeing a spike in demand driven by COVID-19.

Wer nicht persönlich auf dem Amt, in der Bankfiliale oder im Einzelhandelsgeschäft erscheinen kann oder möchte, hat die Möglichkeit, sich aus der Ferne mit seinem NFC-fähigen Smartphone und der eID seines Personalausweises zu identifizieren. Voraussetzung ist, dass die Bank, Kommune oder der Einzelhändler die AUTHADA-Lösung in ihre Abläufe integriert haben. Der Kunde braucht in dem Fall dann nur die AUTHADA-App auf seinem Smartphone zu installieren und den Personalausweis nach Eingabe der PIN mit der App auszulesen.

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eID als Massenanwendung

Hin und wieder wird gegen den Einsatz des eID-Servies mit dem elektronischen Personalausweis der Einwand erhoben, die Zahl der Anwendungsfälle sei begrenzt; die Skalierbarkeit im großen Stil nicht gegeben. Unterdessen sind die ersten Massenanwendungsfälle bereits verfügbar.

Aktuelles Beispiel ist die Verwendung des eID-Service für die SIM-Karten-Aktivierung (Prepaid), wie sie seit kurzem von Vodafone angeboten wird: Vodafone startet eID-Service für digitales Identifizieren. Damit ist Vodafone das erste Telekommunikationsunternehmen, das diese Möglichkeit anbietet.

Vodafone-Kunden, die sich digital identifizieren möchten, werden automatisch in die Identifizierungs-App von AUTHADA geleitet und dort Schritt für Schritt durch den Prozess beim Ausweisen geführt. Das Smartphone wird zum Lesegerät des elektronischen Personalausweises. 

Weitere Einsatzfelder

Nach Ansicht des berühmten Systemtheoretikers Niklas Luhmann ist räumliche Distanz nur dann ein Problem, wenn man nicht von direkter Interaktion auf Kommunikation umsteigen kann. Auf die aktuelle Situation übertragen, zeigt sich, dass Teilhabe am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben auch dann gegeben sein muss, wenn direkte Interaktion nicht möglich oder nicht unbedingt nötig ist, wie bei der Vermittlung von Lerninhalten, dem Gang zum Amt oder zum Arzt.  

So könnte in den Schulen und Universitäten das Online-Angebot für den präsenzfreien Unterricht und das Blended Learning ausgedehnt werden. Die Schüler und Studenten weisen ihre Berechtigung und Anwesenheit mit der eID-Funktion ihres Personalausweises unter Verwendung der AUTHADA-App nach. 

Ebenso an Bedeutung gewinnen wird die Telemedizin, wie etwa in Gestalt der Videosprechstunden: Telemedizin: Kräftiger Schub für Videosprechstunden, des E-Rezepts, digitaler Krankmeldungen und der Patienten-App

Es ist davon auszugehen, dass das Arbeiten von zu Hause aus, im Home-Office, Bestand haben wird. Mitarbeiter und Partner müssen sich aus der Ferne sicher identifizieren und authentifizieren können.  Identity as a Service (IaaS) – Lösungen auf Basis verifizierter Identitäten wie der eID werden davon profitieren. Was Sie über IAM wissen müssen

Der neue Personalausweis mit der eID bietet weiterhin die Basis für die Digitalisierung der staatlichen und kommunalen Dienstleistungen, wie sie der Portalverbund und das Online-Zugangsgesetz (OZG) vorsehen. Die Bürgerinnen und Bürger wären dann zum Beispiel in der Lage, das Kindergeld online zu beantragen und Bauanträge einzureichen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die aktuelle Corona-Krise dazu führt, Leistungsangebote daraufhin zu überprüfen, ob sie nicht ebenso gut – temporär oder auf Dauer – digital zur Verfügung gestellt und bislang ungenutztes Potenzial, wie die Intensivierung der Kundenbeziehung auf vertrauensvoller Basis, gehoben werden kann.

Ausblick

Digitale Identifizierungslösungen, die mobil einsetzbar sind, werden zu einem unverzichtbaren Bestandteil des täglichen Lebens. Sie sind der Schlüssel für die Teilhabe an Bildung, Gesundheit wie überhaupt für das Wirtschaftsleben. Je sicherer und datensparsamer die Lösungen sind, um so besser. Die eID des neuen Personalausweises gilt als die weltweit sicherste ihrer Art. Bislang fehlte es noch an entsprechenden Anwendungen und der Nutzerfreundlichkeit. Lösungen, wie die AUTHADA-App, genauso wie auch Vertrauensnetzwerke, wie die Global Trusted Technology Platform, stehen hier für den Beginn einer neuen Zeit.