Die AUTHADA GmbH ist bereits mit mehreren Kunden mit der Identifizierungslösung ident am Markt. Ident ist die Lösung für die Identifizierung aus der Ferne. Nun ist onsite, die Vor-Ort-Lösung, hinzugekommen. Robin Acker, Mitgründer und CPO von AUTHADA, erklärt im Interview die Unterschiede der AUTHADA-Lösungen im Detail, erzählt, welche Märkte damit in Zukunft erschlossen werden können und gibt einen Ausblick in die Produktentwicklung von AUTHADA.

1. Robin, kurz vorab etwas zu dir: Du bist Chief Product Officer, kurz CPO, und Mitgründer von AUTHADA – wie fing es für dich mit AUTHADA an?

Die Geschichte mit mir und AUTHADA begann an der Hochschule Darmstadt. Dort habe ich, genauso wie Andreas, unser CEO, Informatik studiert und als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Next Generation Networks und IT-Security geforscht. Zusammen mit Andreas entschlossen wir im Jahr 2013 die Forschungsergebnisse mit Hilfe der Förderung „EXiST Forschungstransfer“ in ein Produkt umzuwandeln. Nach Erfolgreicher Transferphase an der Hochschule Darmstadt, gründeten wir 2015 die AUTHADA GmbH. Seitdem verantworte ich die Produktentwicklung.

2. Die AUTHADA-Lösung ident ist bereits mit mehreren Business-Kunden live am Markt. Erkläre doch bitte kurz, was sie ausmacht.

ident ist eine Identifizierungslösung, die aus der Ferne funktioniert. Also mobil, vollkommen ortsunabhängig und egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Mit der AUTHADA-App wird das mobile Endgerät der Person, die sich identifiziert, zum Kartenlesegerät für den elektronischen Personalausweis. Das bedeutet konkret, überall, wo sich Personen für eine Dienstleistung identifizieren müssen, ist ident eine smarte Lösung. Vor allem im stark regulierten Finanzbereich, wo Kunden nach Geldwäschegesetz identifiziert werden müssen.

3. Und wenn ich mich jetzt zum Beispiel gegenüber einer Bank identifizieren möchte, was brauche ich neben der App dafür?

Zunächst mal ein NFC-fähiges mobiles Endgerät. Aktuell könnte man auch sagen ein Android-Smartphone, denn bei Apple ist nach wie vor die NFC-Schnittstelle geschlossen, weshalb wir unsere Identifizierungslösung im Moment noch nicht für iOS-Nutzer anbieten können. Tja und dann brauchst du einen Personalausweis oder elektronischen Aufenthaltstitel mit aktivierter Online-Ausweisfunktion und natürlich die PIN dazu.

4. Du hast eben erklärt, dass AUTHADA iOS-Nutzern die ident-Lösung noch nicht anbieten kann, weil die NFC-Schnittstelle geschlossen ist. Wie ist deine Einschätzung hierzu – wird sich da bald etwas bewegen?

Aktuell verwenden wir externe Kartenlesegeräte, um Ausweise mit iPhones oder iPads auslesen zu können. Nach der Aussage des britischen Innenministers wird es ab Ende 2019 allerdings möglich sein, mit iOS Geräten Reisepässe innerhalb der „Brexit-App“ auszulesen. Das stimmt mich positiv und ich bin der festen Überzeugung, dass sich mittelfristig in dem Bereich auf jeden Fall etwas bewegen wird, sodass auch weitere App-Hersteller dieses Privileg bekommen werden.

5. Aktuell wird ident im Finanzbereich eingesetzt – für welche Märkte ist die Lösung auch interessant?

Genau, aus der Finanzbranche haben wir bereits einige Kunden. Grundsätzlich kann ident allerdings überall eingesetzt werden, wo Kunden entweder aus gesetzlichen oder regulatorischen Gründen (u.a. Geldwäschegesetz, Telekommunikationsgesetz) identifiziert werden müssen. Das betrifft dann eben auch Versicherer, Telekommunikationsanbieter und die Glücksspiel-Branche. Denkbar ist ein Einsatz aber auch im eHealth-Bereich. Darüber hinaus kann ident überall dort genutzt werden, wo einfach ein Interesse daran besteht, zu wissen, mit wem man Geschäfte macht. Also ganz klassisch, der gesamte eCommerce-Bereich.

6. Die Meldung, dass Sparkassen nun die App-Lösung onsite von AUTHADA für die Kundenidentifikation verwenden, ist gleichzeitig der Markteintritt der AUTHADA-Lösung onsite. Was macht onsite aus und worin liegen die Unterschiede zu ident?

Mit onsite bieten wir eine vor-Ort-Lösung an. Das heißt konkret in der Bankfiliale oder am Point of Sale. Der erste Unterschied liegt also geografisch vor: ident bedeutet identifizieren aus der Ferne und onsite vor Ort. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass die onsite-Lösung, da sie vor Ort eingesetzt wird, auch relativ einfach mit iOS-Geräten und einem Kartenlesegerät benutzt werden kann. Außerdem muss der Kunde nicht seine PIN vom Ausweis kennen bzw. die Online-Ausweisfunktion muss nicht mal aktiviert sein. Dadurch liegen die Vorteile auch auf der Hand: Der Onboarding-Prozess wird enorm beschleunigt und dadurch werden auch Kosten eingespart, durch die Echtheitsprüfung des Ausweises, erhöht sich die Sicherheit und durch das automatisierte Auslesen der Daten verbessert sich die Datenqualität.

7. Welche Branchen oder Märkte werden nach deiner Einschätzung als nächstes Folgen und warum?

Die onsite Lösung ist in vielen unterschiedlichen Bereichen einsetzbar. Manuelle Dateneingabe durch Abtippen von Ausweisdokumenten ist zeitaufwendig und birgt immer die Gefahr von Falscheingaben. Wir sehen die Lösung onsite als nächstes in Filialen von Mobilfunkanbietern zur Identifizierung beim Kauf von Pre-Paid Karten und generell am Point of Sale im Bereich Verbraucherkredite für Güter wie Elektronik oder Reisen.

8. Und welche weiteren Lösungen von AUTHADA werden in nächster Zeit noch marktfertig?

Es wird dieses Jahr tatsächlich noch eine dritte Lösung marktreif. sign ist diese dritte Lösung. AUTHADA sign ermöglicht einen papierlosen, mobilen und vollautomatisierten Vertragsabschluss in wenigen Minuten. Nach erfolgreicher Identifizierung „unterschreibt“ der Kunde den Vertrag medienbruchfrei mit einer Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES). Die Lösung ist rechtssicher und eIDAS-konform und kann sowohl mobil als auch in Verbindung mit einer Webseite eingesetzt werden. Genauso gut aber auch vor Ort – kombiniert mit onsite ist das dann ein Schritt Richtung papierloses Büro. Die handschriftliche Unterschrift wird durch die QES vollständig ersetzt. So können zum Beispiel Kreditverträge, Mobilfunkverträge und viele weitere Kaufverträge innerhalb weniger Minuten auch aus der Ferne abgeschlossen werden.

Robin Acker, CPO