Obwohl schon zehn Jahre auf dem Markt, steht der elektronische Personalausweis (eID) noch immer in dem Ruf, unter einer Ladehemmung zu leiden. Die Zahl der Anwendungsfälle sei zu gering, die Bereitschaft der Nutzer, die eID für elektronische Dienste zu verwenden, begrenzt. Unterdessen verdichten sich jedoch die Anzeichen, dass die eID kurz davorsteht, die Massenmärkte zu erobern.

von Ralf Keuper

Mit dem elektronischen Personalausweis und seiner Online-Ausweisfunktion, häufig auch eID-Funktion genannt, können die Nutzer schon heute eine Vielzahl von Geschäftsvorgängen im Internet erledigen. Neben Services aus dem Bereich eGovernment können die Nutzer mittlerweile auf eine steigende Anzahl elektronischer Dienste der Privatwirtschaft zurückgreifen. Von über 100 eID-Diensten, die online zur Verfügung stehen, stammen laut einer Untersuchung von Heise vom Februar dieses Jahres knapp 30 Prozent von Unternehmen. Beispielhaft dafür ist die Depot- und Girokontoeröffnung der Comdirect oder die Aktivierung von Prepaid Freikarten bei Vodafone. Inzwischen haben laut Heise ca. 200 Anbieter die Berechtigung, einen eID-Dienst zu betreiben.

In den vergangenen Jahren haben einige Maßnahmen, sowohl von staatlicher wie auch von privatwirtschaftlicher Seite, dazu beigetragen, die Verbreitung des elektronischen Personalausweises zu beschleunigen.

Verbreitung der eID

Seit Juli 2017 wird die Online-Ausweisfunktion standardmäßig freigeschaltet, sodass die Zahl der Personalausweise mit aktivierter eID-Funktion seitdem kontinuierlich steigt. Laut dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) haben den Personalausweis im Scheckkartenformat bereits über 61 Millionen Deutsche erhalten (Stand September 2019). Das ermöglicht die sichere und schnelle Identifizierung von Personen im Internet, an Automaten sowie am Point of Sale. Dasselbe gilt zudem für Inhaber eines elektronischen Aufenthaltstitels. Da von November 2010 bis Juli 2017 nicht alle Personalausweise mit aktivierter Online-Ausweisfunktion ausgegeben wurden, wird die Zahl der aktivierten Personalausweise Ende 2020 schätzungsweise bei etwa 36 Millionen liegen. Ab November 2027 ist dann eine vollkommene Marktabdeckung von Personalausweisen mit aktivierter Online-Ausweisfunktion erreicht.

Mit der standardmäßigen Freischaltung der eID-Funktion allein ist es jedoch nicht getan. Ohne Unterstützung durch die Hersteller von Smartphones, und hier insbesondere von Apple, würde ein wichtiges Element fehlen. Umso wichtiger daher, dass dieses Hindernis überwunden werden konnte.

Hürde iOS wurde genommen

Eine der größten Hürden bei der Nutzung der eID-Funktion des neuen Personalausweises war die Tatsache, dass Apple nicht bereit war, die NFC-Schnittstelle seines Betriebssystems iOS für Dritte freizuschalten. Im vergangenen Jahr gab Apple seinen Widerstand in diesem Punkt auf. Seitdem können die Nutzer ihren Personalausweis mit der auf ihrem iPhone installierbaren AUTHADA-App auslesen.

Damit bieten sich den Nutzern weitere Möglichkeiten, die eID-Funktion mit ihrem Smartphone im Internet einzusetzen; eine wichtige Voraussetzung für die Verwendung der eID-Funktion im großen Stil.

Einsatz im Massenmarkt bei hoher Conversion Rate

Als erster Telekommunikationsanbieter in Deutschland bietet Vodafone seinen Kunden die Möglichkeit, beim Kauf von Prepaid-Karten die eID-Funktion des neuen Personalausweises zu nutzen. Sie müssen dazu lediglich die AUTHADA-App auf ihrem NFC-fähigen Smartphone installieren und die PIN ihres Ausweises eingeben.

Der große Vorteil der Identifizierung über die AUTHADA-App besteht für die B2B-Kunden in einer hohen Conversion Rate. Dazu trägt die Schnelligkeit des Prozesses mit bei: Die Nutzer können sich innerhalb von zehn Sekunden zu jeder Tages- oder Nachtzeit und von jedem Ort aus rechtskonform identifizieren.

Weiteres Einsatzfeld eCommerce

Großes Potenzial bietet die eID-Funktion des elektronischen Personalausweises überdies im nicht durch das Geldwäschegesetz (GWG) regulierten Onlinehandel. Darauf machte unlängst der Arbeitskreis eID unter Leitung der Deutschen Bundesbank aufmerksam. Der Identitätsmissbrauch sei für den Onlinehandel ein Thema von großer Bedeutung. Das gelte in besonderer Weise für die Zahlartensteuerung und das Bonitätsrisiko. Hierfür ist die verlässliche elektronische Identifizierung unverzichtbar. Umso besser, wenn die Kunden sich mit der AUTHADA-App, ihrem NFC-fähigen Smartphone und der PIN ihres Ausweises binnen weniger Sekunden auf höchstem Sicherheitsniveau identifizieren und authentifizieren können. 

eID wird massentauglich

Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass die eID auf dem besten Weg ist, den Massenmarkt zu erobern. Die Zahl der Anwendungsfälle im Banking, aber auch in den Bereichen, die nicht GWG-relevant sind, wie im eCommerce und beim Gambling, wächst stetig. Nutzern und Unternehmen wird langsam bewusst, welche vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und Vorteile die eID-Funktion des Personalausweises bietet.